Aus dem Nichts …

Holi Kino Schlankreye zeigt Aus dem Nichts

Hamburger Stolz. Am Sonntag (7.1) wurde der Film Aus dem Nichts von Fatih Akin bei den 75. Golden Globe Awards als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet. Der Film erzählt die (Rache-)Geschichte einer Frau, gespielt von Diane Kruger. Sie verliert bei einem fremdenfeindlich motivierten Bombenanschlag Mann und Kind und wird – statt als Opfer geschützt – von der Polizei des Drogenhandels verdächtigt.

Der Film verarbeitet das Nagelbomben-Attentat durch die Terrorgruppe NSU am 9. Juni 2004 in Köln. Wie im Film wurden auch dort die Hinterbliebenen kriminalisiert.
Auch der Mord an Süleyman Taşköprü am 27. Juni 2001 in einem Lebensmittelladen in der Schützenstraße in Hamburg Altona fließt in den Film von Akin ein. Zwei Hausnummern weiter lebte seinerzeit ein guter Freund von mir. Jahrelang tappt die Polizei im Fall der bundesweiten NSU-Mordserie im Dunkeln. Schutzgelderpressung oder Drogengeschäfte halten die Ermittler für den Hintergrund, zeitweise ist auch von Ehrenmorden die Rede.

Trotz dieser Pannen möchten jetzt „alle“ vom Ruhm und Rummel und den Film profitieren. Allen voran die Polizei in Hamburg:

Der Film #AusdemNichts wurde als bester nicht englischsprachiger Film bei den #GoldenGlobes ausgezeichnet! Wir gratulieren #FatihAkin & #DianeKruger zum Erfolg und sind ein bisschen stolz, dass auch bei uns im Büro gedreht wurde!
[ @PolizeiHamburg (8.1) ]

Und für die Bundesregierung:

Herzlichen Glückwunsch an Fatih #Akin und das ganze Team zum Golden Globe für „Aus dem Nichts“. Jetzt Daumen drücken für den Oscar.
[ Steffen Seibert (8.1) ]

Anstelle sich um Übergabe von Verfassungsschutz-Akten an den NSU-Prozess oder an den noch zu bildenden NSU-Untersuchungsausschluss in Hamburg zu kummern, drückt der Regierungssprecher die Däumchen für einen Oscar. Auf den wäre sicherlich auch die Polizei ein bisschen stolz.

Und überdies stellt sich vor allem eine Frage: Wessen Verfassung schützte Verfassungsschutzmitarbeiter Andreas Temme am 6. April 2006 im Internetcafé in Kassel, als mutmaßlich der NSU ( Mundlos / Böhnhardt / Zschäpe ) den Inhaber Halit Yozgat erschoss? Ist am Ende vielleicht sogar Temme der Täter?
Nichts genaues weiß man nicht. Die Temme-Akte soll für mehr als 120 Jahre gesperrt bleiben. Weitere Ermittlungen werden durch den damaligen hessischen Innenminister und derzeitigen Ministerpräsident des Landes, Volker Bouffier (CDU), behindert – trotz der von seiner Parteicheffin Angela Merkel (CDU) versprochenen vollumfänglichen Aufklärung.

Ein Wort noch zu Fatih Akin, der vor 22 Jahren beim Kurzfilmfestival in Hamburg den Publikumspreis gewann mit dem Film Sensin – Du bist es!. Über diesen Film und Fatih Akin sagte Markus Schaefer von der KurzFilmAgentur:

Der Akin. Das wird mal ein ganz Großer. Richtig groß.
[ Markus Schaefer, 1995 ]

Ich war damals im Organisationsteam für das Kurzfilmfestival. Damals als wir im Souterrain in der Glashüttenstraße im Karoviertel die Clubmate vom KGB getrunken haben. Damals als die Karriere von Akin began. Darauf bin ich ein bisschen stolz. Und die Daumen für den Oscar drücke ich auch. Aber nur ein bisschen, denn der Akin ist auch ohne Oscar ein ganz Großer.

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One Response to “Aus dem Nichts …”

  1. mp325/01/2018 at 12:49 pm #

    Enttäuschung für Fatih Akin: Sein Film “Aus dem Nichts” schafft es nicht in die Endrunde für die Academy Awards. Als große Oscar-Favoriten gelten die Filme “Shape of Water” und “Dunkirk” (2017)
    http://j.mp/2DEjXJm