Corona als App

Corona in Singapur

Singapur nutzt eine Kontakt-Tracing-App, um Covid-19 in seiner Ausbreitung zu begrenzen, allerdings ohne den gewünschten Erfolg

There is an App for that. Die Corona-Krise wird eine App. Das ist praktisch, denn jeder hat ein Smartphone. Nun ja, fast jeder. Jedenfalls jeder, der meint, eine Kontakt-Tracking-App im Kampf gegen das Virus kann uns als Gesellschaft zu einer neuen Normalität führen. Das Virus kommt aus China und jetzt soll es weg-gecybert werden mit einer App. Man darf allerdings bei all den Phantomschmerzen um Datenschutz und Grundrechte bei der Tracking-App im Kampf gegen Corona nicht vergessen, dass sie uns im Prinzip von denselben Akteuren gebracht wird, die schon 2006 und nach acht Jahren Vorlauf die elektronische Gesundheitskarte eingeführt haben.

Haben sie nicht, denn die elektronische Gesundheitskarte ist daran gescheitert, dass jeder Arzt und jede Apotheke und jede Krankenkasse sowieso sicher und digital kommunizieren müsste. Das soll jetzt nicht passieren, denn die Zeit drängt. Die Corona-App soll die Gesundheitsämter aktiv unterstützen, mögliche Infektionsketten zu erkennen und nachzuverfolgen und zu isolieren. Die Pandemie bekommt eine atmende Obergrenze. So ein Quatsch. Denn die Corona-Kontakt-Tracking-App wird nicht verhindern, dass man sich ansteckt.

Die Corona-Apps sollen helfen, Ansteckungen nachzuverfolgen, wenn die Ausgehbeschränkungen gelockert werden. Sie sollen erfassen, welche Smartphones einander nahege kommen sind – und Nutzer warnen, wenn sich später herausstellt, dass sie sich neben infizierten Personen aufgehalten hatten [ spiegel.de ]

Diese Funktionen könnten sogar tief in die Betriebssysteme iOS und Android integriert werden, so dass in Zukunft gar keine App mehr nötig sein soll. Das Problem aber bleiben die Schnittstellen zum Gesundheitswesen:
Wenn sich ein Smartphone-Nutzer testen lässt, muss das positive Ergebniss von einem Arzt bestätigt werden. Dann muss eine angeblich anonyme Bluetooth-Nutzer-Id mit einem Patienten, seiner Krankenversicherung und dem Gesundheitsamt verbunden werden. In einigen Bundesländern geben die Gesundheitsämter Listen von Covid-19-Infizierten weiter an die Polizei, damit die im Falle eines Einsatzes die Gefahrensitutation für die Beamten abschätzen kann.
In England soll es sogar so zentral sein, dass die Spionage-Abwehr GCHQ zusammen mit Cambridge Analytica und Palantir die Risiko-Auswertung der App übernehmen sollen.

Was passiert im europäsichen Grenzverkehr? Wie übermitteln andere EU-Staaten ihre Daten an deutsche Stellen? An alle 17 Bundesländer gleichzeitig? Die Erwartungen an die Rettung durch eine Corona-Kontakt-Tracking-App sind so überspannt und so unrealistisch, dass man sich auf eine deutsche Corona-App nicht verlassen sollte.

Das klingt dann so:

Die „Corona-App“ ist ein Projekt der Bundesregierung. Basierend auf einer dezentralen Softwarearchitektur wird angestrebt, sie durch die Deutsche Telekom und die SAP zu entwickeln und zur Marktreife zu bringen.
[ bundesregierung.de ]

.. wird angestrebt .. zur Marktreife ..
Es gibt aber keinen Markt. Es wird eher einen Zwang geben. Teilhabe gegen Nutzung der App, und dass obwohl nur 60 Prozent aller Deutschen ein Smartphone haben, dass technisch in der Lage wäre, diese Corona-Kontakt-Tracking-App zu nutzen.

Das wäre jetzt nur die soziale Komponente. Dann gibt es noch die technische. Wer wissen möchte, wen Bluetooth alles sieht, kann an seinem iPhone die Funktion AirDrop aktivieren. Damit kann man sich kurzzeitig mit anderen iPhone-Geräten in der Umgebung vernetzen, etwa um Links oder Visitenkarten auszutauschen. Das klappt manchmal ganz gut, aber auch manchmal gar nicht.

< tl;dr />
Corona-Apps wirken nicht. Masken wirken.

Tags: , , ,