Gute Integration gegen Großunterkünfte

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Wohnen an der Alster

In Hamburg ist eine Volksinitiative gegen Großunterkünfte für Flüchtlinge als Unterschriftensammlung gestartet. Seit Sonnabend sammelt die Volksinitiative Hamburg für gute Integration Stimmen gegen Großunterkünfte. Ja! Hamburg für gute Integration, steht auf den Plakaten. Diese Initiative gegen Großunterkünfte finde ich problematisch. Das klingt nämlich nach #Obergrenze vor Ort. Nach Meinung der Initiatoren muss Hamburg als Stadtstaat überproportional viele Flüchtlinge aufnehmen. Getarnt als bejahende Integration sagt es doch Nein zum Flüchtling, und zwar ziemlich radikal und entschlossen, weil maximale Forderungen aufgestellt werden, die sich schwerlich realisieren lassen: mindestens 1000 Meter Abstand zwischen den Unterkünften und nie mehr als 300 Personen pro Unterkunft. Das klingt wie der jüngste Claim von Mercedes: Das Beste oder Nichts.

Die Initiative will nicht integrieren. Sie stigmatisiert. Sie stigmatisiert Großunterkünfte als Ghettos. Beim Begriff Ghetto denkt man unterbewußt auch Warschau und nicht Wandsbek.

Falkenried-Townhouses for Refugees
Je besser es den Hamburgern in ihrem jeweiligen Kiez geht, umso entschlossener werden sie sich wehren. Das sieht man beim ehemaligen Kreiswehrersatzamt an der Sophienterrasse. Dort zogen mit einem Jahr Verzögerung und unter Auflagen jetzt die ersten Flüchtlings-Familien ein und dort entstehen parallel Domizile mit Wohnflächen zwischen 183 und 449 Quadratmetern, teils mit Alsterblick und stets mit überwachter Tiefgarage.
Das kann man auch in Eppendorf beobachten, wo an der nun wahrlich nicht besonders aparten Osterfeldstraße ein Backsteinkomplex mit insgesamt 480 Wohnungen in zwei Bauabschnitten entstehen soll. Ausgelegt für maximal 2400 Menschen am Rande des Gewerbeparks Nedderfeld fühlen sich die Nachbarn an der vierspurigen Rennstrecke im Bestand bedroht.
Auch in Groß Borstel legt man plötzlich Wert auf verwilderte und verkommene Grünflächen. Dort sollen im ehemaligen Lustgarten des Senators Christian Nikolaus Pehmöller ( †1845 ) neue Unterkünfte mit insgesamt 600 Plätzen entstehen.
Man darf gespannt sein, wenn an den Kreuzfahrt-Terminals in der Hafen-City die ersten Container aufgestellt werden. Noch befinden sich die Flüchtlingslager an der Peripherie. Neugraben, Billstedt und Mümmelmannsberg. Oder in Stellingen an der Autobahn.

Wir haben außerdem eine klare Haltung gegen neue Ghettos. [ Dietrich Wersich, CDU ]

Gute Integration gibt es nicht zum Nulltarif. Das sollte jedem klar sein. Die Initiative gegen Großunterkünfte verfolgt jedoch eine Salamitaktik des Scheibchenweise. Stichwort: Bürgerbeteiligung. Je mehr kleinere Unterkünfte es gibt, desto mehr Verträge sind zu schließen. Desto mehr besorgte Nachbarn werden sich betroffen fühlen und mit dem Wertverlust ihrer Immobilien argumentieren. Einsprüche, Planfeststellungsverfahren, Änderungsanträge werden auf Zeit spielen und traumatisierte Bürgerkriegsflüchtlinge in Aufnahmelagern festhalten. Das sind doch die Ghettos, aus denen man die Menschen rausholen muss.

Zur Lösung muss die Stadt das Olympische Dorf trotzdem bauen. Im Hafen und in Wandsbek gleich noch eines. Doch dafür bräuchte man eine Vision, die über parteipolitische Polarisierung hinaus geht. Kleingeister gegen Großunterkünfte werden das nicht hinbekommen.

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Klare Hamburger Architektur im Hafen


[ Quellen: grossborstel.de, Hamburger Wochenblatt, mopo.de, ndr.de, sophienterrassen.de, welt.de, zukunft-elbinsel.de ]

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5 Responses to “Gute Integration gegen Großunterkünfte”

  1. mp305/04/2016 at 4:00 pm #

    Blockupy Blankenese: Anwohner von Nobelviertel blockieren Bau eines Flüchtlingsheims und stellen sich (erfolgreich) erforderlichen Baum-Fäll-Arbeiten entgegen
    http://j.mp/21eAzcc

  2. mp307/04/2016 at 8:59 pm #

    Blankenese Chainsaw Massacre
    http://j.mp/233NkpE
    Etwa 80 Demonstranten aus der linken Szene setzten in Blankenese am Donnerstagabend ein Zeichen für Solidarität mit Flüchtlingen und für den Bau einer Notunterkunft im Björnsonweg.

  3. mp312/04/2016 at 9:02 pm #

    Die Hamburger Bezirksämter haben die angekündigten Bürgerbegehren gegen den Bau großer Flüchtlingsunterkünfte für rechtlich nicht zulässig erklärt und entsprechende Bescheide verschickt.
    http://j.mp/22sqiIy

  4. mp321/04/2016 at 12:51 pm #

    Hamburg-Blankenese bekommt ein Flüchtlingsheim
    http://j.mp/1SdbGLW

  5. mp326/04/2016 at 4:36 pm #

    Die Bürgerinitiativen gegen Großunterkünfte holen zum nächsten Schlag gegen die umstrittene Flüchtlingspolitik des rot-grünen Senats aus. Denn die von der Stadt geplanten Unterkünfte können später keinesfalls als reguläre Wohnungen genutzt werden, wenn derartige Vorhaben Bebauungspläne überflüssig machen. Das ist zumindest das Ergebnis eines am Dienstag vorgestellten Gutachtens des Staats- und Verwaltungsrechtlers Edmund Brandt von der Technischen Universität Braunschweig.
    http://j.mp/1T2pKUv