Kantholz

kantholz

Damals die Dachlatte der SPD, heute das Kantholz der AfD.

Wort des Jahres. Das Kantholz hat das Zeug zum Wort des Jahres 2019. Es ist roh und doch zugleich bereits bearbeitet. Handlich, griffig und trotzdem grob und übergriffig. Nach dem Überfall auf den Bremer AfD-Vorsitzende Frank Magnitz führt die AfD das Kantholz ein in die Diskussion. Das Stöckchen wurde in der Presse dankbar aufgenommen.

Inzwischen veröffentlichte die Polizei Bremen ein Video vom Tathergang des Angriffes mit dem Kantholz auf den umstrittenen Politiker – ohne Kantholz. Der rechte Dunstkreis der AfD unterstellt im Reflex auf den üblichen Kanälen bei YouTube und Facebook die Bearbeitung des Holzes im Video – herausgehobelt.

Doch nun gibt es ein Problem mit dem Kantholz. Das zur stumpfen Gewalt taugliche Werkstück wird instrumentalisiert zum imaginierten Hebel des Anstoßes an Magnitz’ Kopf. Die Narbe der Platzwunde wird bleiben und Zeugnis geben vom Kantholz-Paradoxon als grobe Hyperbel der Härte.

Und weil es so schön ist, folgt abschließend das Zitat von Holger Börner (SPD), der in den frühen 80er Jahren als Ministerpräsident von Hessen die Startbahn West am Frankfurter Flughafen gegen den Widerstand von Demonstranten – langhaarige Chaoten und Querulanten – durchsetzen musste:

Ich bedauere, daß es mir mein hohes Staatsamt verbietet, den Kerlen selbst eins auf die Fresse zu hauen. Früher auf dem Bau hat man solche Dinge mit der Dachlatte erledigt.
[ Holger Börner ]

Der Knüppel aus dem Sack ist ein Kantholz mit einer klaren Kante auf allen vier Seiten.

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