nOlympia in Hamburg

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Olympia 2024. Um Schlag 21 Uhr trat der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz vor die Kameras. Er setzte an und wurde sogleich vom Stunden-Gong der Rathausuhr unterbrochen. Um Neun war klar, dass die verbleibenden noch nicht ausgezählten Stimmen den Vorsprung der Olympia-Gegner nicht werden einholen können:

Hamburg wird sich nicht um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024 (…) bewerben.
[ Olaf Scholz, SPD ]

51,6 Prozent lehnen eine Hamburger Bewerbung um die Olypischen Sommerspiele im Jahr 2024 ab. 48,4 Prozent befürworten das von der Bürgerschaft selbst eingebrachte Referendum. Die Abstimmungsbeteiligung liegt bei 50,1 Prozent.

Rund 1,3 Mio. Hamburgerinnen und Hamburger sind am 29.November 2015 beim Bürgerschaftsreferendum zur Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 abstimmungsberechtigt. 30,0 Prozent von ihnen sind 60 Jahre oder älter, so das Statistikamt Nord.
[ statistik-nord.de .. ]

In der Bestandsaufnahme wird es schnell um Schuldzuweisungen gehen. Schuld sind vielleicht die Protagonisten, die sich auf sichere Meinungsumfragen verlassen haben, in denen von 64 Prozent und zuletzt von 56 Prozent Zustimmung zu Olympia 2024 in Hamburg die Rede war.
Möglicherweise sind Meinungsumfragen nicht mehr verlässlich. Das kann man auch bei Wahlen beobachten, bei denen die Umfragen in den vergangenen Jahren zunehmend ungenauer wurden.

Die Darstellung Die Olympia-Gegner der Hansestadt haben sich durchgesetzt auf hamburg.de teile ich nicht. Denn das Referrendum wurde von der Bürgerschaft eingebracht. Von denen, die Olympia in Hamburg veranstaltet wissen wollen. Daher kann man sagen: Die Befürworter einer Hamburger Bewerbung für Olympia 2024 haben kein Mandat erhalten. Sie konnten mit ihrem Konzept von Olympia in Hamburg nicht überzeugen. In der Analyse kann man nun schauen, warum das so ist.

Offensichtlich passen der olympische Gedanke und Deutschland im Moment nicht zusammen. [ Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ]

Persönlich halte ich die Verknüpfung von Sport und Olympia sowie von Stadtentwicklung und Olympia für verkehrt. Die Lebensqualität in einer Stadt hängt nämlich nicht an Großprojekten und Mega-Events. Die reflexartige Absage an die Bebauung des Kleiner Grasbrook und weiterer Projekte ist so eine Sache. Eine andere sind Zielvorgaben für Goldmedaillen. Ich finde, Sportförderung sieht anders aus. Stadt und Sport müssen sich auch ohne Events weiterentwickeln und für alle Bürger möglich und erschwinglich bleiben.

Die Vertreter der Olympia-Bewerbung erhalten – derzeit jedenfalls – keinen Vertrauensvorschuss und müssen sich fragen, warum das so sein könnte:

  • Liegt es an den Korruptions-Skandalen bei IOC, Fifa und DFB?
  • Liegt es am Doping wie zuletzt in der russischen Leichtathletik?
  • Oder daran, dass München, Oslo, Toronto und Boston ebenfalls abgelehnt haben?
  • Liegt es daran, dass London 2012 Erwartungen nicht erfüllt hat? ( Video, 26 min )

Aber warum sollte man sich so lange mit den Verlierern des Referendums befassen? Die Mehrheit der Hamburger möchte keine Stadtentwicklung, die auf ein zwei-wöchiges Sportereignis ausgerichtet ist. Eine Mehrheit scheut vielleicht auch finanzielle Risiken von Großprojekten. Das könnte eine Lehre sein aus der Elbphilharmonie ( 789 Millionen Euro ), BER ( vor 1276 Tagen nicht eröffnet ) und S21. Neben der Kostenexplosion bei diesen Projekten verstehen es die Akteure, sich geschickt aus der Verantwortung zu stehlen. Mal haben Politiker entschieden, mal ein Gremium und oft auf der Grundlage unzureichender Gutachten. Profitieren tun davon vorrangig die ausführenden Unternehmen. Übertragen auf Olympia sind dies das IOC. Sie verlangen einen Gastgebervertrag und weitere Garantien und ziehen sich mit ihren Sponsonen über vorab zugesicherte Steuerbefreiung zurück aus der gesellschaftlichen Verantwortung.

Budapest (HUN), Rom (ITA), Paris (FRA) und Los Angeles (USA) sind noch im Rennen. Die Übertragungsrechte für Olympia 2024 sicherte sich der US-Medienkonzern Discovery Communications. Es sollte mich überraschen, wenn eine andere Stadt als Los Angeles den Zuschlag erhalten wird.

Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren. Das war schon 1984 das Erfolgsrezept der Olypischen Sommerspiele in Los Angeles und zugleich der Grundstock für die Kommerzialisierung und Korruption – seinerzeit übrigens schon unter Beteiligung von Horst Dassler ( Adidas ). Die drei Streifen von Kommerz, Korruption und der Griff in die öffentlichen Kassen durchziehen Olympia, Fussball und den Vorstand vom FC Bayern. Und daher liegt der Präsident des DOSB richtig mit seiner Aussage: Dieser olympische Gedanke und eine moderne Demokratie mit Bürgerbeteiligung finden in Zukunft nicht mehr zueinander.

Mit Material von tagesschau.de und ndr.de.

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One Response to “nOlympia in Hamburg”

  1. mp301/08/2017 at 7:56 am #

    Paris und Los Angeles einigen sich auf paris2024.org
    Los Angeles richtet dann Olympia 2018 aus.
    Beide Veranstaltungen werden von Discovery Communications übertragen.