Schön trinken

Für das deutsche Reinheitsgebot

Der aktuelle Drogenbericht von Marlene Mortler verharmlost den Alkoholkonsum in Deutschland – wieder einmal. Während weniger Tabak geraucht wird, bleiben die heruntergespülten Trinkmengen durch alle Schichten gleich. Das erkennt auch Mortler, die zugibt: Alkohol wird in Deutschland noch deutlich zu viel und vor allem viel zu gedankenlos getrunken. Trotzdem halbiert ihr Jahresbericht innerhalb von zwei Jahren die Todesfälle durch Alkohol:

Oktober 2018:

Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich in Deutschland 120.000 Menschen an den Folgen ihres Tabakkonsums sterben. Weitere 21.000 Menschen sterben an den Auswirkungen schädlichen Alkoholkonsums und etwa 1.300 Todesfälle sind direkt auf den Konsum illegaler Drogen zurückzuführen.
[ Drogen- und Suchtbericht Oktober 2018 ]

Juli 2017:

Jährlich sterben in Deutschland 120.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, weitere 40.000 Menschen sterben an den Auswirkungen schädlichen Alkoholkonsums und etwa 1.300 Todesfälle sind direkt auf den Konsum illegaler Drogen zurückzuführen.
[ Drogen- und Suchtbericht Juli 2017 ]

September 2016:

Schätzungen zufolge sterben in Deutschland pro Jahr zwischen 42.000 und 74.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholkonsums. Etwa ein Viertel dieser Todesfälle ist allein auf den Alkoholkonsum, die übrigen drei Viertel sind auf den kombinierten Konsum von Alkohol und Tabak zurückzuführen.
[ Drogen- und Suchtbericht September 2016 ]

Diese Zahlen sind in ihrer Entwicklung nicht glaubwürdig. Denn getrunken wird noch immer – und vor allem von Männern – viel zu viel Bier: Der deutsche Mann trinkt im Schnitt einen Kasten Bier pro Woche.

Deutschlandweit weisen dem Drogenbericht zufolge rund 18 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen einen riskanten Alkoholkonsum auf. Zugleich werden im Drogenbericht die konsumierten Alkoholmengen in Gramm angegeben und somit bagatellisiert: Jeder fünfte nimmt mehr als 20 Gramm täglich zu sich. Dabei gilt ein einfacher Merksatz: ein Schnaps, ein Wein und ein Bier sind jeweils rund 10 Gramm Alkohol – zufällig auch der Eigenbedarf für Cannabis.

Der Drogenbericht ist das PDF nicht wert, das man sich runterladen kann. Über Jahre gibt es keine Erfolge bei den Toten durch Tabak und auch nicht in den anderen Bereichen. Stattdessen werden die Folgen durch Bier und Alkohol kleingeredet: Nicht mehr 74.000, nicht mehr 42.000, nicht mehr 40.000! Nur noch 21.000 Drogentote durch Alkohol. Und da sind die mehr als 250 Toten durch Alkoholunfälle auch nur noch 0,85 Promille. Das war mal die Grenze.

Interessanterweise sprechen andere aktuelle Veröffentlichungen von 74.000 Todesfällen pro Jahr in Deutschland, so zum Beispiel die aktionswoche-alkohol.de (18-26.5.2019) unter der Trägerschaft von DHS, Deutsche Rentenversicherung und der Drogenbeauftrage der Bundesregierung. Die müssen es wissen.

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