Soko Schwarzer Block

G20-Gruppenbild vor Elbphilharmonie

Gesucht: Verursacher von schwersten Straftaten (Bild: tagesschau)

Öffentlichkeitsfahnung. Mit Bildern von 104 bisher nicht eindeutig identifizierten und mutmaßlichen Gewalttätern bitten Polizei Hamburg und Staatsanwaltschaft die Bevölkerung um Mithilfe bei ihren G20-Fahndungen.

Persönlich halte ich diese Art von Internet-Pranger für gefährlich. Die Polizei veranstaltet eine Treibjagd auf den vermeintlichen System-Gegner. Ihre Bilder werden immer wieder veröffentlicht werden. Bei falschen oder geringfügigen Beschuldigungen kann dieses Vorgehen Biographien zerstören. Wahrscheinlich soll genau dies erreicht werden: Mögliche Sympathiesanten sollen von künftigen Demonstrationen und Veranstaltungen fern bleiben, weil Politik, Polizei und Populisten mit der Facebook-Fahndung drohen.

Wer wird sonst noch so gesucht?

Spionage [Ermittlungen eingestellt]: 19 türkische Imame sollen im Auftrag der türkischen Religionsbehörde Diyanet Anhänger der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen ausgespäht haben [ tagesspiegel.de ].

Islamisten: In Deutschland werden derzeit etwa 720 Personen als sogenannte islamistische Gefährder geführt. Bei etwa der Hälfte liegt aber womöglich kein besonderes terroristisches Risiko vor. Das macht 360 Islamisten [ zeit.de ].

Rechtsextremisten: Bundesweit sind 640 Fahndungen nach 501 Personen ausgeschrieben, die dem rechten Spektrum zugeordnet werden [ lemonpixel.com ].
Wo bleiben deren Fahndungsbilder? Wann werden die braunen Kakerlaken aus ihren dunklen Verstecken getrieben?

Außerdem gesucht: russische Cyber-Hacker und eine stabile Regierung.

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Offenbar zeigte der Fahndungsdruck umgehend Erfolge. Bereits im Laufe des Tages gingen bis zu 30 konkrete Hinweise bei den Ermittlern ein. Zudem stellte sich ein Tatverdächtiger, der per Foto gesucht wurde. Er kann zu den Plünderern an der Schanze gehören [ ndr.de ].

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Der erste Geständige aus der G20-Großfahndung ist offenbar ein Rechter. Aber wohl kein Straftäter. Und es wird noch verrückter.
Der Mann soll während des G20-Gipfels einen Supermarkt geplündert haben.
Dabei erstellte der Videoblogger aus der rechten Szene dort Material, das die Zerstörungen der Linken zeigen soll [ vice.com ].

Unter den #G20-Verdächtigen, die die @PolizeiHamburg wegen Plünderungen sucht, ist auch ein rechter Vlogger. @Orwellzeit selbst findet es offenbar lustig. #G20Fahndung
[ @ Lars Wienand ]

„Leider nichts geklaut, obwohl ...“

Die Frage stellt sich, ob die Veröffentlichung des Polizei-Bildmaterials, das ihn als Plünderer darstellt, angemessen und vertretbar ist. Denn der rechte Aktivist hatte sich bereits vor Monaten damit gebrüstet, vor Ort gewesen zu sein – öffentlich mit exklusivem Videomaterial [ patrick-gensing.info ].

Nicht zuletzt behaupten Polizei und Staatsanwaltschaft, sie könnten jedem der Gesuchten schwerste Straftaten beweisen. Gut, dass dieser braune Sumpf jetzt trocken gelegt wird.

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One Response to “Soko Schwarzer Block”

  1. mp320/12/2017 at 8:50 am #

    Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte hält die von der Soko “Schwarzer Block” gestartete massenhafte Öffentlichkeitsfahndung nach Gewalttätern im Rahmen der G20-Krawalle “gerade im Internetzeitalter” für “nicht geeignet”.
    https://heise.de/-3923618

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