Über allen Gipfeln

So sieht architektonische Postmoderne in der Hafencity aus.

Nach dem OSZE ist vor dem G20. Was das alles kostet, ist eine so deutsche Art der Kritik. Sie kennen die Antwort. In der vergangenen Woche trafen sich in Hamburg rund 50 Außenminister zur OSZE-Konferenz in den Messehallen.

Das OSZE-Außenminister-Treffen am 8. und 9. Dezember wird vom größten Polizeiaufgebot geschützt, das je in Hamburg zum Einsatz kam. Die Stadt geht auf Nummer sicher mit 10.500 Polizeibeamte, 2.700 Bundespolizisten, 700 Spezialkräfte, 3.000 Einsatzfahrzeuge – und sieben Kilometer Gitterzaun.
Weitere Zahlen: 35.000 Übernachtungen, 90.000 Lunchpakete und 51.000 warme Mahlzeiten allein nur für die Bewacher der knapp 50 anreisenden Außenminister und 80 Delegationen. Auf jeden der gut 1.500 akkreditierten Konferenzteilnehmer kommen mindestens neun Polizisten [ heute.de ].

Das OSZE-Treffen verwandelte Teile Hamburgs in ein Sperrgebiet. Doch die Ergebnisse des Gipfels fallen dürftig aus. Zu groß sind die Widersprüche in der OSZE – was Außenminister Steinmeier auch mit deutlichen Worten zum Ausdruck brachte [ tagesschau.de ].

Wer in einer Zeit fundamentaler Umbrüche und Herausforderungen keine Visionen, keinen Kompass für die Zukunft hat, dem kann auch kein Arzt helfen.
[ Frank-Walter Steinmeier, Deutscher Außenminister ]

Dieses Fazit lässt sich das Auswärtige Amt mindestens 20 Millionen Euro kosten. Für den Aufwand hätte man sich auch als Skype-Konferenz oder als Facebook Live zusammenschalten können. Das hätte den Vorteil, dass man sich vom Geheimdienst das Gesprächsprotokoll und die Protokolle der anderen geben lassen kann.

Einen Hinweis liefert aber ein Ansatz im Etat des Außenministeriums mit dem Titel Kosten aus Anlass der deutschen OSZE-Präsidentschaft in Höhe von 20 Millionen Euro: Aus diesem Topf wird auch das Treffen in Hamburg bezahlt. Zum Vergleich: Für den deutschen G20-Vorsitz im kommenden Jahr, inklusive des Gipfels im Juli in Hamburg, sind im Bundeshaushalt bereits 200 Millionen Euro veranschlagt [ abendblatt.de ].

Im Kommentar-Bereich auf ndr.de macht ein Nutzer eine Nebenrechnung auf:
5 Tage Arbeit zu je 12 Stunden für 13.000 Polizisten = 780.000 Arbeitsstunden.
Ein Polizist kommt auf etwa 1.720 Dienststunden/Jahr ( Wegen Urlaub, Krankheit und Fortbildungen: 43 Wochen mal 40 Wochenstunden). Zusammengefasst: Der Gipfel verbrennt die Jahres-Arbeitsleistung von etwa 450 Polizistenstellen.

Für den G20 stehen 200 Millionen Euro im Haushaltsplan. Davon könnte man zu angenommenen Baukosten von 5.000 Euro pro Quadratmeter 40.000 Quadratmeter gehobenen Wohnraum schaffen. Das sind 500 Wohnungen zu je 80 Quadratmetern oder in einen handliche Formel überführt: vier Grindelhochhäuser mit jeweils 150 Wohnungen. Das wäre zu viel! So lautet die einzige vom Fragenden akzeptierte Antwort.
[ Bild: flic.kr/p/5N3bKz Some rights reserved ]

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